Gewandmeister

Aus Stage Nine
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Wenn bei Theater- oder Operninszenierungen ein Fabelwesen, eine futuristisch gekleidete Bedienung oder eine puppenartige Figur auf der Bühne stehen soll, ist es die Aufgabe des Gewandmeisters dafür das passende Kostüm zu schneidern. Die gezeichneten Entwürfe für die Kostüme erhält er vom Kostümbildner.

Tätigkeit

Der Gewandmeister arbeitet in den Kostümwerkstätten an Theatern oder Opern und ist dafür zuständig, die skizzierten Ideen des Kostümbildners umzusetzen und sie dabei stilgerecht und fachmännisch auszuarbeiten. Neben künstlerischen und handwerklichen Aspekten, muss er sich dabei auch um zeitliche und finanzielle Vorgaben kümmern. Mit seiner Arbeit muss er den Ansprüchen und Wünschen mehrerer Personen gerecht werden, denn sowohl der Kostümbildner als auch der Regisseur und der Schauspieler selbst müssen mit dem angefertigten Kostüm einverstanden sein. Deswegen muss das Kostüm nicht nur in Schnitt und Stoff passen, optisch ansprechend sein und ins Gesamtkonzept der Inszenierung passen, sondern auch an die Statur des Schauspielers angepasst werden. Weil er mit vielen, am Theater arbeitenden Personen zu tun hat, kann er als eine Art Bindeglied bezeichnet werden – vorwiegend zwischen Kostümbildner und Schneider. Der Gewandmeister ist für die gesamte Kostümausstattung eines Stückes zuständig: für Hemden und Hosen genauso wie für Hüte und Umhänge. Während der gesamten Spielzeit sorgt er dafür, dass sie in tadellosem Zustand und einsatzbereit sind. Je nach Größe des Hauses variieren jedoch die praktischen Alltagsaufgaben des Gewandmeisters. An kleineren Theatern erstellt er viele Kostüme selbst. An größeren Häusern, in denen mehrerer Abteilungen für die Kostümausstattung zuständig sind und an denen etwa eine eigene Damen- und Herrenschneiderei eingerichtet ist, fällt dem Gewandmeister eher eine leitende Aufgabe zu. Unter Umständen kann er auch die gesamte Kostümabteilung eines großen Theaters führen – dazu zählt die Modisterei (Hutmacherei) genauso wie die Kostümfärberei, die Rüstmeisterei, das Kunstgewerbe, die Kostümmagazinverwaltung und der Garderobenbereich. Welche Aufgaben der Gewandmeister de facto ausübt, kann also durchaus variieren – je nachdem wie groß die Spielstätte ist, an der er arbeitet.

Anforderungen

Da an Theatern und Opernhäusern ganz unterschiedliche Stücke gespielt und inszeniert werden, sollte der Gewandmeister nicht nur handwerklich geschickt sein und gut nähen können. Er sollte sich auch mit den verschiedenen Stilepochen und der Kunstgeschichte auskennen. Eine französische Ballrobe aus dem 16. Jahrhundert sollte er ebenso nachschneidern können, wie mittelalterliche Gewänder, Hosenanzüge aus den 1920er Jahren oder extravagante Spezialanfertigungen. Da bei der Kostümanfertigung stets ein Zeit- und Finanzplan einzuhalten ist, muss ein Gewandmeister auch ein organisatorisches und wirtschaftliches Geschick mitbringen. Auch Teamfähigkeit und Kommunikationstalent sind wichtige Voraussetzungen, um mit den involvierten Schnittstellen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus sollte er großen Wert auf genaues Arbeiten legen, verantwortungsbewusst sein und unter Umständen Fähigkeiten hinsichtlich der Personalführung mitbringen. Kommunikations- und Organisationstalent sind also, neben der breiten Fachkompetenz, Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufstätigkeit.

Ausbildung

Der Beruf des Gewandmeisters ist eine landesrechtlich geregelte schulische Weiterbildung an Fachschulen. Nach zweijähriger Ausbildung kann der Titel „Staatlich geprüfter Gewandmeister/in“ erworben werden. Für die Zulassung wird eine abgeschlossene Ausbildung zum Schneider, Maß- oder Modeschneider vorausgesetzt, eine zweijährige Berufserfahrung und ein mittlerer Bildungsabschluss. Die Ausbildung ermöglicht es, anschließend eine leitende Tätigkeit in einer Kostümwerkstatt zu übernehmen. Auch andere Positionen, wie zum Beispiel Kostümleitung, Kostümassistent, Produktionsassistent, Kostümmaler oder Kostümbildner können anschließende eine Berufsperspektive bieten.

Berufsaussichten

Die Einsatzorte des Gewandmeisters sind die Kostüm-Ateliers der Theater- und Opernhäuser, Musicalbühnen, Fernsehanstalten oder bei Filmproduktionsfirmen oder einschlägige Spezialfirmen, wie beispielsweise Maßschneidereien für Damen und Herren. Darüber hinaus ist es auch möglich selbständig im eigenen Atelier zu arbeiten und Auftragsarbeiten anzunehmen.

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