Intimes Theater

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Intimes Theater steht für eine Form des Theaters, die sich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa etablierte. Die Bezeichnung intim bezieht sich zum einen auf die Theater-Architektur, die durch kleine Bühnen und Zuschauerräume gekennzeichnet ist. Zum anderen wird damit das Repertoire des Theaters bezeichnet, das sich nicht am Massengeschmack orientiert, sondern nur an bestimmte Liebhaber und Kenner richtet.[1] Aufgeführt werden vorwiegend sogenannte Intime Dramen, deren Handlung sich mit innerpsychischen Vorgängen oder privat-familiären Sujets beschäftigt, wobei man dramaturgisch kleine Formen wie Einakter bevorzugt und auf detailgetreue Bühnenbilder verzichtet.[2]

Peter Sprengel erklärte in seiner Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870–1900 die Bezeichnung Intimes Theater wie folgt: «In diesem Begriff, der in Deutschland in der Mitte der 1990er Jahre von Max Halbe und Johannes Schlaf vertreten wird, fließen die von Strindberg und Maeterlinck ausgehenden Anregungen zusammen; es geht um ein Theater der Seele und der kleinen Mittel, der Konzentration und Abstraktion.»[3]

Seit der Jahrhundertwende wurden in verschiedenen europäischen Ländern (z.B. in Deutschland, Österreich und Schweden) eine Reihe von Theatern gegründet, die sich Intime Theater nannten.[1] Dazu gehört zum Beispiel das von August Strindberg gegründete Intima Teater in Stockholm (heute: Strindbergs Intima Teater), die ehemaligen Intimen Theater in Göttingen und in Nürnberg[4] und der Vorgänger des Theaters im Zentrum in Wien.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Annette Delius: Intimes Theater. Untersuchungen zu Programmatik und Dramaturgie einer bevorzugten Theaterform der Jahrhundertwende. Kronberg/ Ts. 1976, S. 7.
  2. Horst Turk (Hrsg.): Theater und Drama: theoretische Konzepte von Corneille bis Dürrenmatt. Gunter Narr Verlag, 1992, S. 321.
  3. Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870-1900. C.H.Beck, 1998, S. 450.
  4. Intimes Theater Nürnberg bei nuernberginfos.de


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